Christian Calderone

Für Sie in den Landtag!


Offener Streit zwischen Krankenhäusern

Damme I Oldenburgische Volkszeitung vom 13. September 2018

Im Südkreis wird befürchtet, dass künftig Schlaganfallpatienten aus Lohne und Vechta zur Behandlung nicht mehr nach Damme, sondern nach Cloppenburg verlegt werden. Die dortige Hospitalleitung sieht dagegen ein Versorgungsdefizit im Nachbarlandkreis.

Zwischen den Kliniken im Nordwesten Niedersachsen ist ein offener Streit über zusätzliche Betten für Schlaganfall-Patienten ausgebrochen – mittendrin im Getümmel die Krankenhäuser in Damme und Cloppenburg. In der nächsten Woche soll der Krankenhaus-Planungsausschuss des Landes Niedersachsen die Frage klären, wo insgesamt 88 zusätzliche Betten für Schlaganfall-Patienten in der Weser-Ems-Region angesiedelt werden. Zuvor haben nun die Dammer Klinik und fünf weitere Krankenhäuser aus dem Nordwesten die Landesregierung davor gewarnt, die Cloppenburg, Leer und Lingen zusätzliche neue Neurologie-Abteilungen zu eröffnen.

Das geht aus einem gemeinsamen Schreiben des Klinikums Emden, des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch, des St.-Elisabeth-Krankenhauses Damme, des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück sowie der Ammenland-Klinik Westerstede und des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg an Ministerpräsident Stephan Weil hervor. Nach Angaben des Politikjournals Rundblick aus Hannover kritisieren die sechs Klinikchefs, dass regional- und lokalpolitische Aspekte bei der Standortwahl ausschlaggebend werden könnten. Dies sei aber der medizinischen Qualität abträglich.

Konkret geht es um die Frage, ob die Krankenhäuser in Leer, Lingen und Cloppenburg mit je 30 Betten eine neue neurologische Abteilung aufbauen sollen. Unterstützt werde das Vorhaben von der Großen Koalition im Landtag, kritisch beäugt von der Krankenhausgesellschaft, Kommunen und den Kassen.

Insgesamt sollen nach Rundblick-Informationen 88 neue Betten geschaffen werden. Außerdem sollen Betten aus der inneren Medizin umgewidmet werden. Etwa 40 Betten würde so auf Kliniken entfallen, die bisher schon auf Schlaganfall spezialisiert waren. Daneben aber sollen auch das Klinikum in Leer, das Josef-Hospital in Cloppenburg und die Bonifatius-Klinik in Lingen neue neurologische Abteilungen mit dann jeweils 30 Betten eröffnen dürfen. Nun wird auf allen Ebenen gestritten, ob es sinnvoll sei, dass neben sechs bestehenden Schlaganfall-Kliniken in der Region noch drei weitere hinzukommen.

Die sechs Klinikchefs befürchten, dass eine „bewährte Struktur“ im Raum Weser-Ems „erheblichen Schaden nehmen würde“. Nicht zuletzt, weil sich dann noch mehr Krankenhäuser auf engem Raum um die wenigen qualifizierten Ärzte streiten würden. Statt eines gut eingespielten regionalen Netzwerkes drohe mit drei neuen Klinikstandorten Konkurrenz. Auf Anfrage des Rundblickes teilte das Sozialministerium mit, die neuen Betten würden „ausgewogen auf bestehende und zusätzliche Standorte verteilt“. Es gehe dabei „aus um die schnelle Erreichbarkeit von Krankenhäusern in der Fläche“.

Der Landkreis Cloppenburg verführt derzeit über kein Krankenhaus, welches Patienten mit neurologischen Erkrankungen adäquat versorgen könne, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Haus, die Geschäftsführer Ulrich Polster gestern versenden ließ.

Das Cloppenburger St. Josef-Hospital warb gestern in einer schriftlichen Erklärung noch einmal für die Eröffnung einer neurologischen Abteilung. Das Landkreis Cloppenburg verfüge über kein Krankenhaus, welches Patienten mit neurologischen Erkrankungen adäquat versorgen könne, ließ der Vorstandsvorsitzende der kirchlichen Schwester-Euthymia-Stiftung, Ulrich Polster, verbreiten. Zur Stiftung gehört auch das Fechter und das Lohnen Krankenhaus.

Eine vom St.-Josef-Hospital in Auftrag gegebene Bedarfsanalyse sehe eine Versorgungslücke von 51 Krankenhausplanbetten vor, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Zulassung des Krankenhauses Cloppenburg zur Versorgung neurologischer Patienten würde „zu einer signifikanten Verbesserung der Versorgung in der Region führen“.

Diese Notwendigkeit zweifelt Dammes Krankenhaus-Geschäftsführer Ralf Grieshop an. Einen großen Teil dieser Patienten würde das Christliche Krankenhaus Quakenbrück betreuen. Damme selbst versorge Patienten aus dem Landkreis Diepholz, den Bereichen Stemwede und Bramsche sowie aus dem Landkreis Vechta. Letzteres sei mit den beiden anderen Krankenhäusern im Kreis auch so abgesprochen. Grieshop fürchtet Auswirkungen auf das Dammer Krankenhaus. Die Krankenhäuser in Vechta und Lohne könnten neurologische Patienten künftig nach Cloppenburg schicken.

Aus Sicht von Geschäftsführer Grieshop wäre es richtiger, die 88 neuen Betten auf die vorhandenen neurologischen Abteilungen in Weser-Ems aufzuteilen. Das Land habe in den vergangenen Jahren zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Euro in die Neurologie in Damme investiert. Sie habe 2017 rund 3.000 Patienten, davon etwa 580 mit Schlaganfällen, versorgt.

Auch für den CDU-Landtagsabgeordneten Christian Calderone würde eine Neurologie in Cloppenburg dem lange vom Land gefahrenen Kurs widersprechen, hochspezialisierte Einrichtungen zu unterhalten.